Danke sagen.

Ich wollte meinem Spender einen Brief schreiben. Er hat heute Geburtstag. Ich wollte ihm sagen, dass heute vor einem Jahr Schwester H. in mein Zimmer kam um mir zu sagen, dass meine Leukozyten erstmals wieder im Blut nachgewiesen werden konnten. Sie waren auf 400 gestiegen. Der erste kleine Sieg in einer langen Reihe. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so berühren würde, aber ich habe geweint. Dass es der Geburtstag meines Spenders war machte alles noch ein bisschen besser.

Seit letzter Woche weiß ich, dass es mein Arzt ist, der die Briefe kontrolliert, die ich meinem Spender schreibe und von ihm bekomme. Sie werden kontrolliert, damit keine persönlichen Details ausgetauscht werden können oder Dinge geschrieben werden, die in einem solchen Brief nicht stehen sollten.

Für mich ist es ein riesiges Hindernis, dass eine Person, die ich kenne, diese Worte liest. Noch bevor die Person, für die sie bestimmt sind, sie liest. Ich traue mich gar nicht mehr, zu schreiben, was ich fühle. Aus Angst, dass ich dafür kritisiert werde. Das ist ein generelles Problem von mir. Mit Kritik kann ich nicht gut umgehen.

Aber weil das vollkommener Quatsch ist werde ich mich jetzt am Riemen reißen und meinem Spender einen Brief schreiben, ihm alles Gute wünschen und ihm sagen, dass ich an seinem Geburtstag letztes Jahr auch ein Geschenk bekommen habe… Die ersten neuen Zellen nämlich.

7 Kommentare

  1. Gut so! Und sag ihm liebe Grüße von uns allen! Schließlich hat er nicht nur Dich gerettet sondern die ganze Familie! LG, Paps

  2. Aber darfst du deinen Spender gar nicht persönlich kennen lernen? Und wenn nein, wieso nicht? Ich dachte, nach der 1-Jahres-Frist dürfe man wissen, wer der/diejenige war…?

    Ist das alles kompliziert… ;) Aber vielleicht kennt er/sie ja dein Blog…

    Ich wünsche dir alles Liebe,
    Juli

  3. Nach 2 Jahren werden sowohl Spender als auch Empfänger gefragt, ob sie die Adressen tauschen wollen und wenn beide ja sagen wird das eben gemacht. Dann kann man sich auch persönlich kennen lernen.

    Es gibt einige Gründe, weshalb man vorher den Spender nicht kennen lernen darf, unter anderem, dass der derjenige so lange für den Empfänger „reserviert“ ist und im Falle einer Zweitspende keine Erpressung stattfinden kann oder so…

  4. Huhu :-)

    Hm, inwiefern eine Erpressung? Daß derjenige sagt „Ich spende Dir nur nochmal, wenn Du mir xy € überweist“?

    Kommt es denn oft vor, daß man nochmal eine zweite Spende braucht/macht? Davon hab ich noch nie gehört, aber auch irgendwie noch nie darüber nachgedacht…

    • Ja, genau.

      Es kommt schon ab und zu vor, dass ein zweites Mal gespendet werden muss. Man gilt offiziell ja erst nach 5 Jahren als geheilt und vor allem innerhalb der ersten zwei Jahre ist das Risiko eines Rückfalls wohl durchaus noch gegeben… Ich habe mich ehrlich gesagt aber nicht weiter damit beschäftigt und bin nicht hundertprozentig sicher, weil es kein Thema ist, über das ich gerne nachdenke. :)

  5. Ich bin gerade total berührt, dass du „Picture Window“ in den Post eingebaut hast. Ein bedrückender und doch großartiger Titel.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.