Tag 11

Jane Bird via Le Love

Ich habe Leukämie. So ganz richtig klingt dieser Satz in meinen Ohren immer noch nicht. Ich sehe aus wie immer und fühle mich gut, die Tage vergehen rasch hier im Krankenhaus und das Einzige, was mich nervt ist das ständige Warten. Heute ist Tag 11 meiner Behandlung, gleichzeitig auch Tag 11 meiner Erkrankung, die mich am Dienstag letzte Woche so überraschend gepackt hat. So kam es mir vor. Uns allen.

Ich liege hier auf der onkologischen Station und verlasse das Zimmer nur, um mich morgens zu wiegen oder mir einen Yofu aus dem Kühlschrank im Aufenthaltsraum zu holen. Um mich herum sind hauptsächlich alte Menschen, glaube ich. Die, die ich sehe sind es auf jeden Fall. Und sie sind alle krank. Ich fühle mich nicht krank (abgesehen von den geschwollenen Lymphknoten, von denen die Ärzte immer noch nicht wissen, wo sie herkommen und dem ZVK inklusive Metallständer). Ich fühle mich genauso wie vor zwei Wochen oder vor drei.

Langsam kommt ein Gefühl des Gefangenseins auf. Wenn der Freund sich mit anderen trifft und ich hier sein muss. Wenn meine Eltern einkaufen gehen und mit den Hunden spazieren und ich hier sein muss. Wenn ich einfach immer, immer, immer hier sein muss. Dass es notwendig ist weiß ich, gar keine Frage, aber das Begreifen dieser Krankheit fällt mir noch immer so schwer. Ich warte fast darauf, dass meine Haare ausgehen, damit ich den Beweis habe, dass ich krank bin, dass etwas nicht stimmt.

Das klingt verzweifelter als ich bin, aber es fällt mir so schwer, die Gefühle in Worte zu fassen. Ich bin unendlich dankbar, dass es mir nicht schlecht geht, dass ich mich so gut fühle und wünsche mir auch, dass es so bleibt. Aber ich bin froh, dass meine Mama oder mein Papa jeden Morgen zu mir kommen und den Vormittag bleiben und dass der Freund wirklich jeden einzelnen Tag kommt, denn sonst würde mir hier die Decke auf den Kopf fallen.

So vergehen die Tage wie im Flug (morgen ist schon wieder Samstag!) und ich zähle die Tage bis zur Knochenmarkspunktion an Tag 15 (Dienstag), wenn wir endlich erfahren, wie es weitergeht. Ob ich noch einen Zyklus Chemotherapie hinter mich bringen muss oder mehr.

Ich wünsche mir, dass es bald Dienstag ist und ich wieder ein paar Antworten mehr habe.

5 Kommentare

  1. Liebe Maike, hier schon Mal ein paar Antworten. Wir lieben Dich. Du wirst wieder gesund. Das Warten ist das Schlimmste. Wir sitzen alle im selben Gefängnis, die Krankheit hat uns eingeschlossen – aber sie wird uns auch zusammenschweißen. Du wirst hinterher viel stärker, selbstbewusster und schöner sein. Wir warten gemeinsam auf weitere Antworten. Wir werden Dich immer lieben. Bis morgen. Dein Papa.

  2. Kopf hoch Kleines,

    wir wissen das du das schaffst! Wir glauben ganz fest an dich, du bist eine Kämpferin und du wirst noch alle Ziele die du dir vorgenommen hast erreichen und noch so viele Menschen weiterhin zum strahlen und lachen bringen!
    Du hast so liebe Eltern (auch wenn ich sie persönlich nicht kenne – steckt in jedem ihrer einzelnen Worte an dich so viel Liebe drinnen) ein Freund der mit dir die Krankheit bekämpft und so viele andere nette Leute, die mit Ihren Gedanken und Gefühlen bei dir sind….
    Wir alle kämpfen mit dir… die einen lauter die anderen leiser, trotzdem bist du nicht allein.

    Ganz liebe Grüße
    Steffi

  3. Es muss komisch sein, wenn man plötzlich so rausgerissen worden ist aus dem Alltag. das Leben geht draussen weiter, und man selbst kann nichts anderes machen, als zu warten.
    Du hast ja auch geschrieben, dass Du ein sehr ungeduldiger Mensch bist…

    Trotzdem freue ich mich wirklich sehr, zu lesen, dass Du doch relativ beschwerdefrei bist.
    Und… Du hast soviel Unterstützung. Deine Eltern sind total spitze! Auch Dein Freund und Deine Freunde…

    Dein Blog macht Mut.

  4. Pingback: Tweets that mention Tag 11 : cookies&monsters -- Topsy.com

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